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Aufklärungsgespräch

Über die Bedeutung des Aufklärungsgespräches mit Patienten zur Teilnahme an randomisierten Therapiestudien.

»Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen«, heißt es im Volksmund.

In Wirklichkeit jedoch gibt es nur für etwa ein Drittel aller Erkrankungen eine wirksame Behandlungsmöglichkeit. Neue, sichere und bessere Therapiekonzepte müssen daher gefunden werden.

Viele Patienten fühlen sich geradezu psychisch und physisch gelähmt, wenn sie mit der Diagnose Krebs konfrontiert werden. Diese Diagnose wird wie kaum eine andere Krankheit mit einem Todesurteil gleichgesetzt. Deshalb muss sich die Arzt-Patientenbeziehung auch einer besonderen Herausforderung stellen, denn der Dialog und der Aufbau von Vertrauen sind besonders wichtig.

Eine intensive Kommunikation zwischen Arzt und Patient stellt die Basis für eine Aufklärung im Vorfeld klinischer Studien dar. Dabei ist das Arzt- Patientengespräch das Motivationsinstrument überhaupt.

Unbestritten ist, dass die Einführung und Verbesserung zahlreicher Therapiekonzepte auf der erfolgreichen Durchführung kontrollierter klinischer Studien beruht. Somit trägt jede Studie und damit auch jeder Teilnehmer dazu bei, neue Therapiemöglichkeiten zu entwickeln oder vorhandene Behandlungsmethoden zu verbessern.

Patienten, die an einer Studie teilnehmen erhalten die zur Zeit beste und auf neuestem wissenschaftlichen Standard beruhende Therapie. Sie werden besonders intensiv betreut, regelmäßig untersucht, engmaschig überwacht und nach Methoden behandelt, die alle Anforderungen der Qualitätssicherung erfüllen.

Und dennoch stößt das Konzept von randomisierten Studien beim Patienten oft auf Unverständnis und Misstrauen, da sie in erster Linie gesunden und nicht unbedingt der Wissenschaft dienen wollen.

Der Vertrauensverlust in die Medizin und ihre Ärzte und die niedrigen Einschlussraten in vielen klinischen Studien ist die natürliche Folge.

Deshalb sollten in einem ausführlichen Aufklärungsgespräch die wesentlichen Gründe und nachvollziehbaren Vorteile für den Patienten sinnvoll vermittelt werden.

  • Nicht die persönliche zufällige Therapiewahl des Arztes bestimmt die Therapie, sondern die Wahl zwischen zwei oder drei Therapien, die alle sorgfältig geprüft wurden.
  • Jedes Therapiekonzept, das in einer Studie zur Anwendung kommt, wurde von wissenschaftlichen Gremien und von unabhängigen Experten (Ethikkommission) überprüft. Ähnliche fachkundige und sorgfältige Prüfungen finden bei Therapien außerhalb von Studien nur selten statt
  • Sollte es bei den Therapien zu Nebenwirkungen oder Komplikationen kommen, werden diese genauestens erfasst und unmittelbar mit fachkundigen Ärzten diskutiert.
  • Sobald sich für eine Studientherapieform Vorteile in bedeutender Weise ergeben, werden diese Ergebnisse allen an der Studie teilnehmenden Patienten zugänglich gemacht.
  • Standardtherapien. garantieren keine eindeutige Wirksamkeit, da zu prüfen wäre, ob überhaupt gesicherte Daten für den möglichen Nutzen vorliegen. Nicht nur der Verzicht auf eine Therapie sondern auch die unkritische Durchführung einer Therapie bergen Risiken.
  • Wird ein Patient bei der Randomisierung ausschließlich dem Beobachtungsarm zugeteilt, muss dies keinen Nachteil für den Patienten darstellen. Eine solche beobachtende Therapieform zeichnet sich durch engmaschige klinische Kontrollen aus und gewährleistet eine zu jedem Zeitpunkt stattfindende intensive ärztliche Betreuung Sollte eine Progression auftreten, wird sofort eine entsprechende Therapie eingeleitet.
  • Wichtig ist, dem Patienten verständlich zu machen, dass keiner der Therapiearme dem anderen überlegen ist. Neue Therapien oder andere Dosierungen können zu Komplikationen oder schlechterer Wirksamkeit führen. Neu heißt nicht gleich besser Das Wissen, welche Therapie bezüglich Wirksamkeit und Nebenwirkungen der anderen Therapie vorzuziehen ist, liegt erst nach Beendigung der Studie vor.
  • Auch die Bedeutung der Teilnahme an Therapiestudien für die Wissenschaft im Hinblick auf später Erkrankte sollte dem Patienten deutlich werden, da der mögliche Nutzen für andere Patienten eines der Hauptmotive für den Patienten ist, an einer Studie teilzunehmen.

    Doch mit Abstand der wichtigste Grund – und darauf sei an dieser Stelle nochmals deutlich hingewiesen – ist, dass jede  klinische Studie und somit auch jeder Teilnehmer an einer solchen Studie dazu beiträgt, neue, Therapiemöglichkeiten zu entwickeln oder vorhandene Behandlungsmethoden zu verbessern.

Fazit

Entscheidend für ein zufriedenstellendes Aufklärungsgespräch ist die vertrauensvolle und überzeugende Kommunikationsfähigkeit des Prüfarztes, indem er umfassend über Diagnose, Therapiemöglichkeiten und die individuelle Prognose informiert. Er versichert sein sorgfältiges Bemühen um die bestmögliche Therapie und spricht offen über den derzeitigen Wissensstand. Der Patient muss spüren, dass eine Therapiestudie nicht dem wissenschaftlichen Fortschritt, sondern einer individuellen optimalen medizinischen Betreuung dient. Das Gespräch sollte in einer geeigneten Umgebung stattfinden und es sollte ausreichend Zeit zur Verfügung stehen, die dem Patienten die Möglichkeit gibt Fragen zu stellen und sich Notizen zu machen Der Patient sollte den betreuenden Arzt als Partner und Helfer erleben, dessen Wissen und Kompetenz er für sich nutzen kann und der ihm mit seiner Erfahrung zur Seite steht. Sind diese Kriterien erfüllt wird er sich nicht als „Versuchskaninchen“ fühlen, sondern das Aufklärungsgespräch als einen verbindenden und vertrauenschaffenden Dialog erleben.