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Schmerzen

Schmerz zeigt z. B. eine Verletzung, Entzündung oder eine andere Schädigung von Gewebe an. Diese Erfahrung hat sicherlich jeder schon gemacht und weiß daher, wie sich Schmerz anfühlt. Allerdings ist Schmerzempfindung sehr subjektiv und der Umgang mit Schmerzen individuell verschieden. Das liegt vor allem daran, dass das Schmerzempfinden durch die jeweilige seelische und körperliche Verfassung stark beeinflusst wird.

Wie entstehen Schmerzen?

Der Mensch hat überall am und im Körper sogenannte Rezeptoren (Empfangsstellen) für Schmerzen verschiedener Art. Sie werden durch Druck oder Verletzungen erregt. Im Gehirn werden diese Signale als Schmerz empfunden. Es gibt hauptsächlich drei verschiedene Arten von Schmerz, die sich unterschiedlich anfühlen:

  • Haut- und Knochenschmerz (nozizeptiver Schmerz)
    Fühlt sich spitz oder dumpf an, ist ständig da und wird durch Bewegung verstärkt.
  • Eingeweideschmerz (viszeraler Schmerz)
    Kommt oft in Schüben, krampfartig, ist oft schwer zu lokalisieren.
  • Nervenschmerz (neuropathischer Schmerz)
    Fühlt sich meist brennend oder schneidend an, kann einschiessend sein oder durch leichte Berührung ausgelöst werden.

Wie kommen Schmerzen bei einer Krebserkrankung zustande?

  • Durch die Erkrankung
    Schmerzen können aufgrund des Wachstums der Tumorzellen entstehen, weil dadurch entweder Gewebe und Organe (und somit wieder Nervenendigungen) im Körper verdrängt oder durchdrungen werden.
  • Durch die Behandlung
    Durch die Gabe von bestimmten Chemotherapeutika oder Bestrahlung kann es zu schmerzhaften Nervenschädigungen, Bauchschmerzen und Entzündungen an der Schleimhaut kommen.
  • Durch medizinisch notwendige Eingriffe
    Durch Blutentnahmen oder Punktionen zur Gewebegewinnung (Histologie) sowie beim Einlegen eines Port-Katheters (siehe dort) oder notwendigen Operationen.

Wie kann man Schmerzen behandeln?

  • Zunächst muss die Ursache der Schmerzen gefunden werden und, wenn möglich, direkt behandelt werden.
  • Bei der medikamentösen Therapie muß zunächst das richtige Schmerzmedikament gewählt werden. Unterschiedliche Arten von Schmerzen erfordern verschiedene Schmerzmedikamente. Zusätzlich gibt es auch weitere Formen der Schmerztherapie wie physikalische Anwendungen, z. B. Massagen oder kalte/warme Anwendungen sowie eine entsprechende Lagerung.
  • Die vom Patienten angegebene Stärke der Schmerzen ist die Grundlage für die Bestimmung der Schmerzmittelgabe.

Die beste Art, Schmerzen zu behandeln, ist, deren Ursache zu beseitigen. Da dies bei vielen Tumorpatienten leider nicht immer oder nur unzureichend möglich ist, wird dann eine sogenannte symptomatische Schmerztherapie durchgeführt: Das Symptom Schmerz wird behandelt, allerdings bleibt die Ursache weiter bestehen.

Ein wichtige Voraussetzung zur Schmerzbehandlung ist die Schmerzerfassung und die Messung der Schmerzintensität. Hierfür ist es sehr nützlich, ein sogenanntes Schmerztagebuch zu führen, in dem Datum und Uhrzeit festgehalten werden sowie die Art, Stärke, Dauer und Lokalisation der Schmerzen. Anhand dieser Daten kann der Arzt in der Regel die richtige Schmerztherapie einleiten oder entsprechend anpassen.

Medikamentöse Schmerzbehandlung

Damit die Schmerzmittel ihre Wirksamkeit entfalten können, ist die ausreichende Dosierung sehr wichtig, die vom behandelnden Arzt entsprechend der Stärke der Schmerzen festgesetzt werden muss. Die wirksame Dosis sollte nach einem festgelegten Zeitplan verabreicht werden, damit ein gleichmäßiger Wirkstoffgehalt im Blut aufrechterhalten wird. Für Situationen, in denen der Schmerz plötzlich stärker wird, sollten entsprechend kurzwirksame zusätzliche Schmerzmedikamente bei Bedarf verordnet werden. Es sollte allerdings nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt die Dosierung verändert oder ein anderes Präparat genommen werden. Vorhersehbare Nebenwirkungen der Schmerzmedikamente wie Übelkeit, Erbrechen oder Verstopfung werden vorbeugend behandelt.

Das Stufenmodell der Weltgesundheitsorganisation (WHO):

Die Schmerzmedikamente, die zur Behandlung von Tumorschmerzen verwandt werden, sind von der Weltgesundheitsorganisation in drei Stufen eingeteilt worden:

WHO Stufe III Starkes Opioid z. B.
  • Morphin (Sevredol®, MST®),
  • Hydromorphon (Palladon®, Dilaudid®),
  • Oxycodon (Oxygesic®),
  • Levomethadon (L-Polamidon®),
  • Pethidin (Dolantin®),
  • Fentanyl (Durogesic®),
  • Buprenorphin (Temgesic®)
+ Nichtopioidanalgetika
+ unterstützende Medikamente
Opioide hemmen die Schmerzleitung im Gehirn und Rückenmark.
WHO Stufe II Schwaches Opioid z. B.
  • Tramadol (Tramundin®),
  • Dihydrocodein (DHC®)
+ Nichtopioidanalgetika
+ unterstützende Medikamente
Opioide hemmen die Schmerzleitung im Gehirn und Rückenmark.
WHO Stufe I Nichtopiodanalgetikum z. B.
  • Paracetamol (Ben-u-ron®),
  • Metamizol (Novalgin®),
  • Ibuprofen (Nurofen®),
  • etc.
  • evtl. unterstützende Medikamente
Nichtopioidanalgetika hemmen die Aufnahme von Schmerzreizen in die Nervenbahnen.

WHO-Stufe I (Nichtopioidschmerzmittel):

Alle Schmerzmittel, die so ähnlich wirken wie das aus Opium gewonnene Morphin, heißen Opioide. Zu den Schmerzmitteln der WHO-Stufe zählen Medikamente, die nicht zu den Opioiden gehören und meistens aus der Hausapotheke bekannt sind. Wichtig zu wissen ist auch, dass einige Mittel dieser Stufe zusätzlich fiebersenkend wirken, so dass dieses Warnsignal des Körpers unterdrückt sein kann und eventuell eine Infektion übersehen wird. Es ist also wichtig, mit dem Arzt über die Entstehung von Fieber zu sprechen und nicht sofort fiebersenkende Mittel einzunehmen.

WHO-Stufe II (Kombination aus schwachem Opioid und Nichtopioid):

In den meisten Fällen werden die Nichtopioidanalgetika mit Opioiden kombiniert, um eine geringere Dosis an Opioiden geben zu müssen. Dadurch kann die Hauptnebenwirkung der Opioide (Verstopfung) verringert werden.

WHO-Stufe III (Starke Opioide):

Das bei Tumorschmerzen häufig eingesetzte starke Schmerzmittel ist Morphin. Morphin ist ein Bestandteil von Opium, welches aus dem getrockneten Milchsaft von Mohn hergestellt wird.

Abhängigkeitsgefahr bei der Einnahme von Morphin

Die Gefahr der Sucht ist bei der Einnahme von morphinhaltigen Schmerzmitteln so gut wie gar nicht vorhanden, wenn die Schmerzmitteleinnahme tatsächlich der Schmerzbehandlung dient. Der Organismus von Menschen mit starken Schmerzen reagiert anders auf ein solches Schmerzmittel, als der Organismus von Menschen ohne Schmerzen, d. h., wenn die Schmerzen nachlassen, können die Opioide auch ohne Anzeichen einer psychischen Abhängigkeit wieder abgesetzt werden. Ebenso lassen Müdigkeit und auch andere, unerwünschte Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen nach einer Phase der Anpassung nach. Allerdings gilt zu beachten, dass es durchaus zu einer gewissen körperlichen Abhängigkeit kommen kann, so dass abruptes Weglassen der Medikamente zu Entzugserscheinung führt.

Weitere medikamentöse Therapie (Ko-Analgetika)

Ko-Analgetika sind Substanzen, die aufgrund ihrer Wirkung vor allem als Ergänzung zu den üblichen Schmerzmitteln effektiv sind. Hierzu zählen Medikamente aus der Gruppe der Steroide (z. B. Kortison), Antidepressiva, Medikamente gegen Übelkeit, Beruhigungsmittel, Medikamente zur Muskelentspannung, krampflösende Mittel und Medikamente zur Senkung von erhöhtem Blutkalzium.

Weitere Möglichkeiten der Schmerzbehandlung

Psychotherapeutische Verfahren

Hierzu zählen psychologische Methoden wie Schmerzbewältigungstraining, psychologische Schmerztherapie und Psychotherapie bei Schmerz. Durch diese Methoden sollen Patienten durch Erweiterung ihrer Kompetenz im Umgang mit Schmerzen Nutzen ziehen. Standardisierte Gruppenverfahren haben oft einen Trainingscharakter und umfassen zwischen 8 und 15 Sitzungen. Sie bieten den Vorteil, dass Patienten sich auch gegenseitig unterstützen und voneinander lernen können. Ziel des Schmerzbewältigungstrainings ist die Vermittlung einer neuen Sichtweise des Schmerzes im Sinne eines Geschehens, das viele Ursachen hat und prinzipiell durch Verhalten, Gefühle, Gedanken und Erfahrungen beeinflußt wird und somit veränderbar ist. Weiterhin ist es wichtig, Möglichkeiten aufzuzeigen, Schmerzen aktiv zu beeinflussen und ein befriedigendes, erfülltes Leben mit oder trotz der Schmerzen führen zu können. Weitere Ziele des Schmerzbewältigungstraining ist der Abbau von Hilflosigkeit, Resignation und Depression sowie die Verringerung des Schmerzmittelbedarfes.

Physiotherapeutische Verfahren

Physiotherapie beeinflusst auf mechanische, thermische oder elektrische Weise die Haut, Unterhautfettgewebe, Muskulatur, Sehnen, Bänder, Gelenkkapseln und Gelenke. Physiotherapeutische Verfahren sollten möglichst frühzeitig in der Schmerztherapie eingesetzt werden, um eine Chronifizierung des Schmerzes zu vermeiden. Empfehlungen zur Häufigkeit der Anwendung von physiotherapeutischen Maßnahmen zur Schmerzbeeinflussung sind abhängig vom Erkrankungsstadium und weniger wissenschaftlich als durch Erfahrungswerte begründet. Zu den verschiedenen Therapieverfahren zählen:

  • Krankengymnastik
  • Massage
  • Hydrotherapie (z.B. Unterwassermassage)
  • Thermotherapie (kalte oder warme Anwendungen)
  • Elektrotherapie (Wechsel- oder Gleichstromverfahren)

Schmerzpumpe über rückenmarknahe Katheter

Die Schmerzmedikation gelangt entweder direkt oder durch Diffusion an die schmerzleitenden Nervenfasern im Rückenmark und hemmt diese. Diese Verfahren erfordern einen relativ großen technischen und apparativen Aufwand. Daher stellt diese Methode keine Konkurrenz zur Einnahme von Schmerzmitteln über den Magen-Darm-Trakt oder die Haut dar. Allerdings dient der Einsatz einer Schmerzpumpe, die kontinuierlich Schmerzmittel an den Körper abgibt als Ergänzung. Sie kommt für Patienten in Frage, die mit anderweitig verabreichten Schmerzmitteln, z. B. aufgrund von Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, nicht ausreichend behandelt werden können.

Zerstörung von Nervengewebe (chemische Neurolyse)

Das Spritzen einer nervenzerstörenden Substanz (hochkonzentrierter Alkohol, Phenol) in die Nähe eines Nerven wird chemische Neurolyse genannt. Chemische Neurolysen sind in den letzten Jahren zunehmend seltener notwendig geworden. Bei einigen Schmerzzuständen, insbesondere solchen, die mit einer Opioidtherapie schwer behandelbar sind, bilden sie dennoch auch heute noch eine sinnvolle therapeutische Möglichkeit. An eine chemische Neurolyse wäre bei Schmerzen in folgenden Körperregionen zu denken:

  • Gürtelförmige Oberbauchschmerzen (z. B. Bauchspeicheldrüsenkrebs)
  • Schmerzen im Bereich des Afters
  • Schmerzen im Bereich des Brustkorbes.

Bevor man die Neurolyse durchführt, sollte mittels einer Testblockade (Injektion eines örtlichen Betäubungsmittels) die Wirksamkeit der Maßnahme überprüft werden.