Was ist Krebs?
Die Bezeichnung »Krebs« steht für eine große Gruppe ganz unterschiedlicher Erkrankungen, die eines gemeinsam haben: die unkontrollierte Teilung von Zellen eines Organs oder Gewebes. Krebs wird auch als bösartige (maligne) Geschwulst (Tumor) bezeichnet. Die bösartigen Zellen vermehren sich ungebremst. Sie wachsen in umliegendes Gewebe ein und zerstören es. Mit Hilfe der Blutbahnen und Lymphgefäße können sie in andere Körperorgane gelangen. Dort können sie sich ansiedeln und erneut vermehren - es entstehen Tochtergeschwülste (Metastasen). Im Gegensatz dazu werden gutartige (benigne) Tumoren nicht als »Krebs« bezeichnet. Sie wachsen verdrängend und schädigen so das umgebende Gewebe.
Wie entsteht Krebs?
Die Ursache für die Entstehung von Krebs ist in einer Veränderung im Erbgut von Körperzellen zu finden, die zur Fehlsteuerung des Wachstums führt. Es müssen viele äußere und innere Faktoren zusammenwirken, um eine normale Zelle in eine Krebszelle umzuwandeln.
Die deutschen Pathologen J. Müller und vor allem R. Virchow stellten fest, dass chronische physikalische oder chemische Reize Zellen so verändern können, dass diese ihre normale Funktion verlieren und nicht mehr in der Lage sind, ihre Grenzen im Zellverband zu erkennen.
Es ist erstaunlich, dass angesichts der Vielzahl der täglich auftretenden Gen-Schädigungen durch Strahlen, chemische Substanzen und Viren nur extrem selten bösartige Tumoren auftreten. Dies wird durch verschiedenste Kontrollmechanismen des Organismus ermöglicht. Auf zellulärer Ebene können bestimmte Reparatureiweiße schadhafte Stellen der Gen-Bausteine erkennen und blitzartig reparieren. Im Gewebe sorgt ein komplizierter Kontrollmechanismus dafür, dass die Zellen stets in richtiger Zahl und Qualität nachgebildet werden.
Tumornachweisgrenze
Klinisch lassen sich durch radiologische Methoden ( US; CT; MRT), Tumoren im Körperinneren erst ab einer Größe von ca. 1 cm Durchmesser aufspüren. Zu diesem Zeitpunkt besteht der Tumor aber bereits aus über einer Milliarde Zellen. Um eine solche Größe zu erreichen, können je nach Tumorart Monate oder Jahre vergehen. Während dieser klinisch noch nicht nachweisbaren Wachstumsphase, in der der Patient noch keine Symptome bemerkt, können sich bereits Zellen von der Muttergeschwulst ablösen und Metastasen anlegen.
Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom)
Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) liegt im Oberbauch zwischen Magen, Dünndarm Leber und Milz. Das rechte, dickere Ende (Pankreaskopf) liegt in einer Schlinge, die vom Zwölffingerdarm gebildet wird. Das linke Ende (Pankreasschwanz) läuft schmal in Richtung Milz aus.
Die Bauchspeicheldrüse hat zwei grundlegende Aufgaben im Körper. Sie produziert Verdauungssäfte (ca. 1,5 Liter am Tag) und Hormone (wie z. B. das Insulin). Von ihnen hängt unter anderem die Speicherung und Nutzung der aufgenommenen Nährstoffe ab. Der Teil der Bauchspeicheldrüse, der die Verdauungssäfte produziert, wird exokrines Pankreas genannt. Hier entstehen etwa 95 % der Pankreaskarzinome. Der hormonproduzierende Teil der Bauchspeicheldrüse wird endokrines Pankreas genannt. Nur etwa 5 % der Pankreaskarzinome beginnen hier.
Die Beschwerden eines Bauchspeicheldrüsenkrebses ähneln denen vieler anderer Krankheiten. Anfangs können sie oftmals ganz fehlen. Durch Ihre Lage und enge anatomische Beziehung zu den Nachbarorganen ist die Diagnose außerordentlich erschwert. Bei folgenden Problemen sollten Sie zu Ihrem Arzt gehen:
- unbeabsichtigter Gewichtsverlust,
- Schmerzen im oberen oder mittleren Bauchbereich (gürtelförmige Ausstrahlung),
- Gelbverfärbung der Haut (Gelbsucht),
- Stuhlentfärbung,
- Abgeschlagenheit und
- Appetitverlust.
Die Erkrankung tritt im mittleren Lebensalter auf, Männer sind etwa eineinhalb bis doppelt so häufig betroffen wie Frauen, pro Jahr gibt es ca. 10000 Neuerkrankungen in Deutschland (1997: 10100 Patienten). Hiermit gehört sie zu den seltenen Krebsarten. Im Gegensatz dazu befindet sich jedoch diese Erkrankung in der Statistik der Krebserkrankungen mit direkter Todesfolge an fünfter Stelle. Zwei Hauptgründe sind hierfür verantwortlich. Erstens werden diese Tumoren meist erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt und sind dann nicht mehr durch eine Operation zu entfernen (keine kurative Operation möglich). Zweitens ist der nicht mehr operable Bauchspeicheldrüsenkrebs mit den heute zur Verfügung stehenden therapeutischen Mitteln kaum heilbar. Jedoch können wir in den meisten Fällen ein Weiterwachsen der Krebszellen (sog. Progression) für einen unbestimmten Zeitraum verhindern.
Die exakten Gründe für das Auftreten dieser Erkrankung sind trotz intensiver Forschungen nicht geklärt. Man findet das Pankreaskarzinom ca. zwei- bis dreimal häufiger bei Rauchern als bei Nichtrauchern. Alkoholkonsum sowie Bauchspeicheldrüsenentzündungen sind nicht eindeutig mit der Erhöhung des Risikos eines Bauchspeicheldrüsenkrebses verbunden.
Behandlungsoptionen
Für jedes Stadium der Erkrankung gibt es eine Therapie!
Prinzipiell werden zwei Stadien (operierbar/ nicht operierbar) der Tumorerkrankung unterschieden. Sie besitzten einen direkten Einfluss auf die Gesamtprognose (Überlebensdauer) des einzelnen Patienten.
Operation:
Eine Operation ist derzeit die einzige Möglichkeit eine Heilung zu erzielen.
Nur für etwa 20 % der Patienten kommt zum Zeitpunkt der Diagnosestellung eine Operation in Frage. Bei der klassischen Operation (Whipple-OP) wird in der Regel der Pankreaskopf, 2/3 des Magens, der Zwölffingerdarm, die Gallenblase sowie umliegendes Fettgewebe entfernt. Der Rest der Bauchspeicheldrüse verbleibt im Körper um die Insulinproduktion sowie die Produktion der Verdauungssäfte aufrechtzuerhalten. In Abhängigkeit vom Ausbreitungstadium erlauben es neuere Techniken den Magen und sogar den Zwölffingerdarm zu erhalten.
Eine Operation ist manchmal auch notwendig um Symptome die durch den Krebs verursacht werden (wie z. B. Darmverengung etc.) zu lindern.
Chemotherapie:
Im Gegensatz zu den 80-er Jahren ist es heute möglich eine Chemotherapie anzubieten, die ein geringes Nebenwirkungsspektrum bietet und die Lebensqualität des Patienten verbessern kann, indem sie Symptome unterdrückt und Komplikationen, wie z. B. Darmverengung oder Blutungen vorbeugt.
Bei der Behandlung mit Zellgiften (Zytostatika), der sogenannten Chemotherapie, werden Medikamente eingesetzt, die das Wachstum sich schnell teilender Zellen, wie z. B. Krebszellen, aber auch Zellen der Schleimhäute, Haarwurzel und des Knochenmarkes stoppen können. Diese Medikamente wirken vor allem gegen sich rasch teilende Zellen, zu denen insbesondere bösartige Zellen gehören. Die Therapie kann in Form von Tabletten erfolgen oder wird direkt über die Vene in den Körper gespritzt. Die Chemotherapie wird als systemische Therapie bezeichnet, da das Medikament über die Blutbahn in den ganzen Körper gelangt und auch bösartige Zellen außerhalb der Bauchspeicheldrüse erreichen kann.
Es gibt ganz verschiedene Formen der Chemotherapie, die in ihren Begleiterscheinungen auch sehr unterschiedlich sind. Welche Chemotherapie bei einem Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs eingesetzt wird, hängt von verschiedenen Faktoren (Ausbreitungsstadium, Allgemeinzustand) ab.
Eine Chemotherapie wird meist in mehreren Behandlungsabschnitten (Zyklen) gegeben. Dabei wechseln sich Phasen der Zytostatikagabe mit Erholungsphasen ohne Zytostatikagabe ab.
Strahlentherapie:
Bei der Strahlentherapie werden Zellen durch hochenergetischer Strahlung abgetötet. Im Allgemeinen sind die Karzinome des Pankreas wenig strahlensensibel. Ein Problem stellen die umliegenden Organe der Bauchspeicheldrüse dar Sie können durch die Strahlentherapie stark in Mitleidenschaft gezogen werden.
Biologische Therapie:
Bei der biologischen Therapie wird das versucht das Immunsystem zu stärken um die Krebszellen zu bekämpfen. Antikörper oder Substanzen zur Anregung des Immunsystems konnten bisher keine Wirksamkeit nachweisen. Ähnliche Therapien befinden sich noch in experimenteller klinischer Untersuchung.
Die Immunstärkung mittels einer Misteltherapie wird sehr kontrovers diskutiert. Bis heute fehlen Beweise in Form von unabhängigen Studien zum Nachweis der Wirksamkeit solcher Präparate. Dies gilt auch für die Gabe von Spurenelementen (Selen etc.).
Ergänzende Therapieverfahren:
Bei hochgradiger Einengung des Magenausgangs kann auch ein dünner Ernährungsschlauch durch die Nase oder durch die Bauchhaut über die Einengung hinweg in den Dünndarm gelegt werden, um eine Ernährung über den Darm (enterale Ernährung) zu garantieren. Darüber hinaus gibt es heute die Möglichkeit, die Ernährung auf Dauer über Venen (parenterale Ernährung) durchzuführen. Dabei werden dem Patienten über spezielle Infusionsysteme (venöses Portsystem) Nährflüssigkeiten verabreicht, die ihm nach einer entsprechenden Einweisung die Wiederaufnahme seines geregelten Tagesablaufes zu Hause erlauben.
Die Schmerztherapie
Vorrangig ist bei Patienten mit Pankreastumoren in vielen Fällen die Schmerztherapie, die am besten unter der Aufsicht eines darauf spezialisierten Arztes, eines Schmerztherapeuten, erfolgt. Die moderne Medizin bietet heute zahlreiche Möglichkeiten, Patienten dauerhaft von ihren Schmerzen zu befreien und ihre Lebensqualität damit wesentlich zu verbessern.
Im allgemeinen wird empfohlen, Schmerzmedikamente kontinuierlich in festem zeitlichen Abstand einzunehmen und nicht oder nicht nur zur Behandlung von »Schmerzspitzen«. Für eine adäquate Schmerztherapie durch den Patienten werden heute u. a. Tropfen, Tabletten, Zubereitungen mit verzögerter Freisetzung (Retard-Formen) oder »Schmerzpflaster« mit kontinuierlicher Freisetzung der schmerzwirksamen Medikamente über 2–3 Tage angeboten.
Schmerzambulanzen und Palliativstationen, die es an vielen Kliniken in Deutschland gibt, verfügen auf diesem Gebiet über besonders kompetente Ansprechpartner. Die Anschriften erhalten Sie bei der Deutschen Krebshilfe ebenso wie eine spezielle Broschüre zu diesem Thema mit dem Titel »Krebsschmerzen wirksam bekämpfen – Die blauen Ratgeber 50«.
Die Enzym-, Diabetes- und Vitamintherapie
Ebenso wichtig wie die Behandlung der Krebserkrankung selbst ist bei Patienten mit einem Bauchspeicheldrüsenkarzinom die Behandlung von Folgen wie etwa Verdauungsinsuffizienz und Diabetes, die sich aus der Zerstörung der Bauchspeicheldrüse, durch das Tumorleiden oder durch eine mehr oder weniger umfangreiche Operation ergeben.
Was die Bauchspeicheldrüse nun nicht mehr selbst produzieren kann (Verdauungsenzyme/Insulin), muss dem Körper auf Dauer in Form von Medikamenten zugeführt werden. Die Verabreichung von entsprechenden Enzymen bzw. Insulin ist bei allen Pankreaskarzinompatienten außerordentlich wichtig und notwendig - unabhängig davon, ob die Krebserkrankung selbst durch Chemo-, Strahlen- oder Immuntherapie beeinflusst werden kann. Die Einnahme von Enzympräparaten ermöglicht die Verwertung der Nährstoffe, besonders des Fettes. Ist die Dosis genügend hoch, hören auch Beschwerden wie starke Blähungen, Durchfälle und übelriechende Fettstühle, die bei manchen Patienten auftreten, meistens auf. Weitere Möglichkeiten sollten beim behandelnden Arzt erfragt werden.
Zusätzlich zu Enzymen und Insulin benötigen viele Patienten die regelmäßige Gabe fettlöslicher Vitamine sowie des lebensnotwendigen Vitamins B 12. Ein Mangel an Vitamin B12 kann zunächst zu Blutarmut (Anämie) führen; bleibt der Mangel unbehandelt, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Für die ausreichende Aufnahme von Vitamin B 12 ist eine Substanz, die sog. Folsäure unabdingbar, die normalerweise von der Magenschleimhaut gebildet wird. Ist ihre Funktion beinträchtigt (z. B. Operation, Medikamente), kann dies allein schon einen Vitaminmangel hervorrufen.
Angesichts zahlreicher Besonderheiten einer Verdauungsinsuffizienz bzw. eines Diabetes mellitus bei Tumorpatienten sollte hier auch der Rat eines auf diesen Gebieten erfahrenen Arztes herangezogen werden.
Eine Unterversorgung mit Vitaminen kann langfristig zu teilweise sehr belastenden und den Patienten gefährdenden Mangelerscheinungen führen, unter anderem am Skelettsystem, an der Muskulatur, an der Haut, am Sehvermögen sowie bei der Blutgerinnung.
Treten Fragen oder Unklarheiten bezüglich der obengenannten Erläuterungen auf, bitten wir Sie sich mit Ihren behandelnen Arzt in Verbindung zu setzen.